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Es war mal wieder so weit. Zeit für eine Früherkennungsuntersuchung. Dieses mal die U7a bei meiner drei Jahre alten Tochter. Neben Dingen wie der Feinmotorik, der Sprachentwicklung und dem Sprachverständnis, schaute ihr die Ärztin wie sonst auch üblich noch einmal in die Ohren und den Mund. Beim Blick in ihren Mund fragte sie uns sofort, ob sie noch einen Schnuller hätte. Jupp, schuldig. Unsere Große benutzt nachts noch ihren ‚Nucki‘. Mit großer Leidenschaft, er ist in der Nacht quasi nicht wegzudenken. Das sieht man nun auch an ihren Zähnen. Mein Töchterchen zeigt erste Zeichen für ein Schnuller-Gebiss. Wir sollen ihn nun so schnell wie möglich verschwinden lassen. Durch die Schnullerfee oder vielleicht einen Schnullerbaum. Hauptsache weg damit.

Kind auf Schnullerentwöhnung – Wie geht man es an?

Ich habe schon immer die Berfürchtungen gehabt, dass wir Schwierigkeiten mit der Schnullerliebe unserer Tochter haben werden. Ich dachte dabei aber hauptsächlich an den Schnullerentwöhnungs Prozess. Gar nicht groß daran, dass sie davon große Fehlstellungen am Kiefer aufweisen würde. Oder vielleicht habe ich diese Befürchtung ganz weit hinten angestellt. In der Hoffnung, dass sich das Problem schon von alleine löst. Ich habe immer gehofft meine Große würde ihn eines Tages einfach nicht mehr brauchen. Da habe ich mir mal wieder selbst in die Tasche gelogen. Der Nuckel ist von Beginn an eine große Einschlafhilfe gewesen und kam nachts auch stets zum Beruhigen bei Albträumen zum Einsatz. Sie holte ihn sich abends immer schon selbst und begann dann sichtlich runterzufahren und zu entspannen. Und das soll jetzt einfach vorbei sein. Nach 3 Jahren Nucki. Oh je. Wie stelle ich das an?

Nun, die Fehlstellung sei noch nicht gravierend. Jemand der sich auskennt, der sieht es. Laut Kinderärztin reguliert sich jedoch alles von alleine, wenn sie sofort damit aufhört. Da bleibt einem ja nichts anderes übrig. Ich musste einen Ersatz für sie finden und mit ihr dem Schnuller feierlich goodbye sagen. Die Ärztin sagte es meiner Maus auch selbst ganz direkt. Auf die Frage, ob sie ihn als großes Mädchen nun eventuell der Schnullerfee überlassen möchte, hat sie es der der Ärztin sogar hoch und heilig versprochen. Okaaaaaay. Na mal sehen, wie das läuft.

Auf dem Weg vom Kinderarzt nach Hause mussten wir noch schnell zu DM. Kleinigkeiten besorgen. Und da, wo es auch immer Kinderbekleidung gibt, da lag ganz unten im Regal etwas, an dem meine Große nicht vorbei konnte. Ein Kuscheltier, was aussieht wie das Hasenkind. So wie aus all den aktuellen Hasenkindbüchern, die ihr vielleicht auch kennt. Sie nahm es ohne ein Wort hoch. Ich musste sofort an die Ähnlichkeit denken, sie kam mir aber zuvor und sprach es laut aus. Schau mal Mama, Hasenkind. Und dann drückte sie es an sich und war sichtlich verliebt. Sie hat noch nie etwas mit Kuscheltieren anfangen können. Etliche haben wir über die drei Jahre geschenkt bekommen, alles nur Staubfänger. Nun hielt sie dieses ‚Hasenkind‘ fest und ich dachte so bei mir selbst – das soll jetzt so sein. Fügung. Vielleicht wird uns dieses Hasenkind durch die Schnullerentwöhnung begleiten. Gekauft!

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Nach drei Jahren zieht nun ein flauschiger Bewohner mit ins Bett – hilfts?

Ich habe mit der Großen am selben Tag noch mehrmals über ihre Nuckis gesprochen. Darüber, dass sie jetzt ja auch in den Kindergarten geht, sowieso ja schon so viele Dinge tut, die schon ganz große Kinder machen und sie einen Schnuller nun sicherlich auch nicht mehr braucht, um ins Land der Träume zu finden. Fand sie voll okay. Irgendwie viel zu einfach. Seitdem dieses Thema aufgekommen ist, hat sie noch kein einziges Mal protestiert. Ich habe mich sofort gefragt, weshalb ich es nicht schon viel eher durchgezogen hab.

Stolz brachte mir die Große ihre letzten zwei Schnuller unaufgefordert in die Küche und legte sie wortlos auf den Tisch. Das wars? Einfach so? Ihr ahnt es schon. Natürlich sollte es anders kommen. Sie ging zwar ohne ihre geliebten Nuckis ins Bett und hat nicht mal um sie gebeten. Aber sie lag da nun mit ihrem Hasenkind und weit aufgerissenen Augen.

Die erste Nacht.. ohne Schnuller

An Einschlafen war nicht zu denken. Sie wühlte sich hin und her, brabbelte vor sich hin, setzte sich auf und schaute in der Gegend herum. Wir schlafen alle in einem 3 Meter breitem Familienbett. Normalerweise liegt sie eingekuschelt unter ihrer Decke, dreht sich Löckchen und Knoten in die Haare, während sie schnullert und meiner Gute Nacht Geschichte lauscht. Dabei habe ich ja noch die Lütte im Arm, die selig einschläft und dann langsam von mir weggelegt wird. Ich kann also nicht auch noch liegend mit der Großen kuscheln. Das Hasenkind hatte sie aber trotzdem wiedererwartend fest im Arm. Noch nie hat sie sowas gemacht.

Als ihre kleine Schwester nun eingeschlafen ist und ich mich ihr widmen konnte, wollte sie aufstehen. Ich kann nicht schlafen, können wir raus? Ich verneinte und kuschelte mich mit unter ihre Decke. Das war ihr alles nichts. Ich spürte, wie sie keineswegs abschalten konnte. Hellwach war sie. Ich schlug meinen Arm um sie und summte. Immer wieder wälzte sie sich und fing an leise zu schluchzen. Wenn ich fragte, was denn los sei, dann sagte sie nur sie könne nicht schlafen. Immerhin fragte sie nicht, ob sie den Nucki haben kann. Nach 1,5 Stunden schlief sie….. Somit sind mit ihr und der Lütten schon wieder 2 Stunden Schlafbegleitung ins Land gegangen. Rausgehen war keine Option. Sie kam sofort hinterher.

Schnullerentwöhnung ist scheisse. Es war natürlich auch für uns eine sichere Nummer. Ich konnte das Zimmer verlassen, sie beruhigte sich durch den Nucki gut alleine und schlief dann zeitnah selig neben ihrer Schwester ein.

Die weitere Nacht war durchzogen von Albträumen. Mein Mann und ich wechselten uns ab mit streicheln und beruhigen. Immer wieder schluchzte sie im Schlaf und war sehr unruhig.

Entzugserscheinungen, wie bei einem Drogenentzug? 

Tagsüber ist sie seit zwei Tagen ungenießbar. Klar, die Nächte sind unruhig. Aber sie ist so dünnhäutig und nervös, wie jemand der einen Drogenentzug durchmacht. Jeder falsche Satz, ein abgebrochener Buntstift, oder das Essen was nicht richtig ist, führt akut zu einem hysterischen Ausraster. Wie ein gefangener Tiger streift sie in der Wohnung auf und ab. Konzentrieren kann sie sich nur schwer auf etwas. Das Schlafengehen ist seit Beginn der Schnullerentwöhnung eine ewige Prozedur. Unter einer Stunde geht gar nichts und sie quält sich. Das Hasenkind darf jedoch und soll sogar bleiben. Sie nimmt ihn tatsächlich als Ersatz, tut sich aber äußerst schwer. Das Wimmern in der Nacht ist geblieben. Sie dreht sich wie ein Propeller bis in den Morgengrauen.

Das alles habe ich in dem Umfang nicht erwartet. Ich las nun einige Artikel zu diesem Thema. Tatsächlich können Kinder klare Entzugserscheinungen aufzeigen, wenn sie so sehr an den Schnuller als Beruhigungsmittel gewöhnt sind. Sobald der Saugprozess beim Schnullern beginnt, wird ein Signal an das Hirn vermittelt, welches sich über diesen langen Zeitraum manifestiert hat. Bis zu einer Woche dauert es, bis das Kind nicht mehr den großen Drang verspürt sich beim Schlafengehen und anderen aufreibenden Situation den Schnuller in den Mund zu schieben, um den beruhigenden Saugprozess auszulösen.

Wow. Was soll ich sagen? Es sind jetzt 3 Tage vergangen. Heute ist der erste Tag an dem sie nicht so übel gelaunt ist. Mir graut es vor der nächsten Schnullerentwöhnung. Denn na klaro, die Lütte schläft auch besonders gut mit einem Nucki.

Fragen über Fragen. Hätte ich es früher machen sollen, wäre es ihr dann leichter gefallen? Es hat mir auch noch nie jemand davon erzählt. Haben andere damit keine Schwierigkeiten? Was könnte ich tun, damit die kleine Schwester (13 Monate) nicht auch so ein Schnullerjunkie wird? Was nutzt ihr als Alternative? Denn beide haben/hatten ein sehr ausgeprägtes Saugbedürfnis. Hat die Lütte nachts nichts zum Tutschen, dann hilft weder singen, Hand auflegen oder schaukeln.

Wer guten Rat hat, oder die selbe Erfahrung gemacht hat, der darf sich doch gerne dazu äußern. Ich bin ganz Ohr.

Drückt mir die Daumen, dass der Spuk nun bald vorüber ist. Ich denke das Gröbste haben wir jedoch schon geschafft. Unsere Tochter ist dann schnullerfrei. Mit drei Jahren. Ist mir übrigens nicht peinlich und nein, ich fühle mich auch nicht schlecht, dass ich sie habe so lange mit einem Nuckel leben lassen. Nicht optimal, aber wer geht denn immer den perfekten Weg mit seinen Kindern?

So, nun allen noch einen entspannten Tag der Arbeit 🙂

 

Alles Liebe

Christina

 

Schnullerentwöhnung – Mein Kind auf Entzug

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