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Dein Kind gehört auch zu der zurückhaltenden Sorte, sucht nicht sofort den Kontakt zu fremden Menschen und anderen Kindern und hält sich mit seiner Euphorie bei direkter Ansprache fremder Menschen deutlich zurück? Es wäre kein Problem, wenn es da nicht andere Eltern, Verwandte und Freunde gäbe, die dir immer wieder einreden, dass dieses Verhalten nicht normal sei und dich dazu bringen, sich für das Verhalten deines eigenen Kindes zu schämen.

Schäm dich nicht für dein schüchternes Kind! 

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Nicht alle Kinder springen fremden Menschen sofort in die Arme und reagieren in neuen Situationen ausschließlich hoch erfreut. Ich hatte mir darüber bei meiner ersten Tochter überhaupt keinen Kopf gemacht. Sie wollte im ersten Lebensjahr partout nicht auf den Arm anderer Leute, dafür mussten sie schon sehr vertraut sein. Wenn wir mit dem Kinderwagen unterwegs waren und sie von Fremden angesprochen wurden, schaute sie demonstrativ weg, vergrub sich schon fast. Manchmal fing sie auch direkt an zu weinen. In der ersten Krabbelgruppe war ich mit ihr, da war sie schon 13 Monate alt. Während von Beginn an alle Kinder aufeinander zustürmten und es gar nicht erwarten konnten, das herumliegende Spielzeug zu erkunden, saß meine Tochter ruhig auf meinem Schoß und beobachtete manchmal bis zum Abschlusslied die kunterbunte Runde. Japp.. dolles Ding. Da gehen wir hier extra hin und sie spielt nicht mal, sucht nicht sofort zig Kontakte. Aber ist das schlimm? Sie war glücklich und zufrieden, sie beobachtete schon immer gerne.

Ich empfand sie als normal, bis mein Umfeld mich immer mehr zweifeln ließ. Bis ich mich schämte

Ich war dieses Verhalten ja schon gewohnt und demgegenüber relativ entspannt. Aber mit der Zeit wurden die Stimmen von außen lauter und je älter sie wurde, um so größer das Unverständnis unserer Umwelt.

″Wieso weint sie denn immer, wenn man sie auf den Arm nehmen möchte? Das ist doch nicht normal.“ (Familie)

„Na nu kleine Maus, hast du einen schlechten Tag oder wieso willst du mir nicht hallo sagen? Ist sie immer so?“ (Fremder)

„Ist das nicht merkwürdig, dass sie so gar kein Interesse an den anderen Kindern und dem Spielzeug zeigt? Wart ihr deshalb schon beim Arzt?“ (Krabbelgruppe)

„Jetzt gib sie schon her, sie kann doch nicht immer nur heulen. Sie gewöhnt sich schon dran und hört gleich wieder auf. Du musst sie mal abgeben!“ (Verwandte)

„Die guckt immer weg, wenn ich sie anschaue/anspreche. Sie mag mich nicht. Das macht mich ganz schön traurig.“ (Familie)

„Na sag mal, lacht die denn nie? Sie schaut so skeptisch, das nimmt man ja persönlich.“

Das ist ein kleiner Auszug aus immer wiederkehrenden Aussagen gegenüber meiner Tochter. Und uns natürlich. Denn was soll ich sagen, es war auch immer wieder ein direkter Vorwurf gegen mich, meinen Mann und unsere Erziehung. Es ging so weit, dass ich alltäglichen Situationen gegenüber schon mit Magenschmerzen entgegentrat. Alltagssituationen. Das ich peinlich berührt war, wenn meine Tochter mal wieder weinte, weil sie einfach nicht gerne aus dem Nichts heraus angesprochen wurde. Oder das sie einfach selten spontan jemandem ein Lächeln zurückschenkte. Für Mama und Papa regnete es Küsschen, Umarmungen, lachen ohne Ende. Aber nach außen hin tat sie sich schwer. Sie ging offen und fröhlich auf Menschen zu mit denen sie sehr viel Kontakt hatte. Ich empfand es wie gesagt, als relativ normal. Klar habe ich schnell mitbekommen, dass es auch Kinder gibt, die jeden sofort anlächeln und stürmisch jeder neuen Situation begegnen. So war sie nicht.

Hätte ich lieber mehr auf mein Bauchgefühl vertraut. Ein schüchternes Kind ist kein Grund sich zu schämen

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Mit ungefähr 15 Monaten taute meine jetzt dreijährige Tochter so richtig auf. Es war so, als ob sie nun alles, was sie im Laufe ihres ersten Lebensjahres beobachtet hatte, eigenständig umsetzt. Zu Hause war sie eh immer schon der Draufgänger. Knallte uns ihr Vokabular um die Ohren, spielte, baute, lachte, tanzte und sprang umher. Das wollte uns ja auch niemand so richtig glauben. Denn draußen verstummte sie oft und tat so, als ob sie noch kein Wort sprechen konnte. All das gehörte nun aber allmählich der Vergangenheit an. In der Krabbelgruppe fand sie ihr zweites zu Hause, suchte überall Kontakt und bespielte fröhlich jeden Gegenstand. Sie lächelte nun auch ihr bereits bekannte Gesichter an und freute sich augenscheinlich über das Wiedersehen. Ansonsten ist sie bis heute aber noch eine skeptische Beobachterin. Und wisst ihr was? Ich finde das toll! Sie stürzt sich eben nicht unüberlegt in jede Situationen, sondern beurteilt erst mal ihr Umfeld und ob alles passt.

Wenn fremde Menschen sie heute ansprechen, dann ist sie schnell bereit ein Gespräch einzugehen. Skeptisch ist sie trotzdem. Ist ihr Gegenüber jedoch feinfühlig und findet die richtigen Knöpfe, so hat er sie mit Haut und Haaren gewonnen. Meine Große zeigt ganz klar, wen sie mag und wen nicht. Das ist auch okay. Wir mögen auch nicht jeden.

Das Tragische an dieser Sache ist eigentlich, dass man selbst so sehr durch sein Umfeld verunsichert wird, dass man den Glauben an sich und sein eigenes Kind verliert. Ich schäme mich heute dafür, dass ich mich für meine Tochter geschämt habe. Oftmals erwartet gerade die Familie, dass der Nachwuchs sofort angeflitzt kommt, Küsse verteilt und zumindest jeden anstrahlt. Ist dem nicht so, dann wird das extremer Weise persönlich genommen. Auf Familienfeiern stand ich manchmal so unter Druck und betete, dass sie niemand auf den Arm nehmen möchte und sie hoffentlich einfach nicht weint. Es ist so schade. Was habe ich mir und uns für Lebensfreude genommen.

Es gibt eben solche und solche Kinder. Sie war sehr zurückhaltend. Die stille Beobachterin. Sie saugte alles und jeden auf und heute macht sie es sich zu Nutze. Ein schüchternes Kind braucht Zeit und die Liebe der Eltern. Alles andere kommt meist von allein.

Charismatisch, selbstbewusst und eigenständig, so wird meine Große heute von Außenstehenden beschrieben

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Dann habe ich also nicht alles falsch gemacht? Definitiv nicht! Das ist der Grund wieso ich bei meiner jetzt einjährigen Tochter so tiefenentspannt bin. Denn auch sie ist sehr skeptisch und der eher zurückhaltende Typ. Nicht ganz so arg wie die Große, aber so manchen Spruch musste ich mir bereits wieder anhören. Heute prallt es an mir ab. Ich habe zwei fantastische Kinder und so wie sie sind, sind sie perfekt.

Ich schreibe darüber, um auch anderen Müttern ihre Zweifel zu nehmen. Nicht jedes Kind ist vom Moment der Geburt ein Draufgänger. Vielleicht werden sie es nie sein. Na und? Stellt euch vor, wenn alle Kinder gleich wären. Schrecklich.

Habt ihr so etwas eventuell auch erlebt und könnt heute wie ich beim Anblick eurer Rabauken darüber lachen? Oder seht ihr das generell entspannt und macht euch da keinen Kopf, was andere sagen? Ich wünsche es euch und euren Kindern.

 

Eure Christina

 

Ich schäme mich für mein schüchternes Kind

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