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Samstag, 25. März 2017

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Es ist wieder so weit. Das Baby ist unentwegt am Nörgeln, stets unzufrieden und man kann es ihm mal wieder mit nichts recht machen. Was hat es denn bloß? Sind es die Zähne, irgendeine Phase, ein quersitzender Pups oder doch schon wieder der nächste Entwicklungsschub? Ich bin völlig verzweifelt, einfach nur noch müde. Die Nächte sind ein Alptraum, tagsüber weint mein Baby, will keinesfalls abgelegt werden, schläft nur im Tuch, trinkt wieder stündlich, hat die Fäuste im Mund. Jede Wachphase ist mit quengeln verbunden. Ich leide mit dem Baby, es zerreißt mir das Herz. Wo ist mein Sonnenschein? Könnte es etwas Ernsthaftes sein? Mutterinstinkt walten lassen? Vertrauen in mich selbst? Ich frage mal im Netz nach

Weil es die schnellste Informationsquelle ist, die ich sofort in dieser Sekunde befragen kann, jage ich das Alter inklusive der mir aufgefallenen ‚Symptome‘ meines Babys durch das Suchmaschinenmonster auf meinem Smartphone. Während mein Baby an meiner Brust hängt. Schon wieder. Oder immer noch? Das ist doch Clusterfeeding, oder? Jedenfalls habe ich gestern davon bei Dr.Google gelesen.

‚Baby 8 Wochen alt, extrem unruhig und schreit viel‘

gebe ich im Suchfeld ein und erhalte prompt über eine halbe Million Ergebnisse. Ich bin also nicht alleine. Die ersten 10 Treffer berichten alle von schon wieder irgendeinem Schub. Lauter verzweifelte Mamis, die sich in Foren über das aktuelle Verhalten ihrer Schützlinge austauschen und wie lange der Schub schon anhält. Alles wird analysiert, verglichen und jeder bekundet der anderen Mama ihr Mitgefühl und das es bald vorbei sei und man seinen Sonnenschein zurück hat. Bis zum nächsten Schub.

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Oh ja, das war ich vor 2 Jahren bei meiner ersten Tochter. Ich war stets übermäßig besorgt, war sie doch mein erstes Baby. Ganz nebenbei eins der Gattung ‚Schreibaby‘ oder Baby mit Regulationsstörungen wie man es auch so schön nennt. Hinzu kamen im vierten Monat gutartige Säuglingsepilepsien. Machte meine kleine Quarktasche nur eine Bewegung, die ich nicht zuordnen konnte, so bin ich förmlich durchgedreht. Was könnte es damit schon wieder auf sich haben? HILFE! Ich frag mal kurz Google, sicherlich finde ich etwas, was mir weiterhilft dabei. Oder etwas, was mich beruhigt.

Wie gut haben mir Suchmaschinen als unerfahrene Mutter wirklich geholfen?

Zurückblickend kann ich sagen, dass es mir nicht geholfen hat jeden kleinen Pups meines Babys durchs Netz zu peitschen. Ganz im Gegenteil. Eigentlich ist die Suchmaschinenbefragung in Sachen Krankheiten oder auffälligem Verhalten wie russisch Roulette. Denn die Chancen stehen ziemlich hoch, dass wenn man den Suchergebnissen vertraut, dein kleiner Schatz an einer tödlichen Krankheit leidet, eine schwerwiegende Störung vorliegt, oder der nächste Entwicklungsschub vor der Tür steht. Ja sind die Babys denn eigentlich immer in einem Entwicklungsschub?

Trotzdem habe ich es immer wieder getan. Sobald mir etwas merkwürdig vorkam, googelte ich die Möglichkeiten. Anschließend war ich noch verunsicherter und überinformiert mit Fehlinformationen. Denn neben Fachartikeln, gibt einfach jeder, der denkt er hätte Ahnung auch noch seinen Brei dazu. Am Ende hat man mindestens 10 verschiedene Möglichkeiten, wieso, weshalb und warum dein Baby gerade so ist, wie es ist. Leider hatte ich bei meiner ersten Tochter keinen guten Draht zu meiner Nachsorge Hebamme. Ich hatte stets das Gefühl, ich würde sie nerven, wenn ich mich wegen eines mulmigen Gefühls bei ihr melden würde. Wie schade. Denn sie hätte meine Ängste sicher oft im Keim erstickt, so wie es meine zweite Hebamme tat. Auch sonst gab es in meinem Umfeld nicht viele, die ich fragen konnte. Jeden zweiten Tag beim Kinderarzt vorbeischauen wollte ich aber auch nicht. Jahaaa, ihr fragt euch sicher, was ich denn für eine Irre war. Das frage ich mich heute auch.

Es war ein langer Weg das Vertrauen in die Natur der Dinge, meinen Mutterinstinkt und intuitives Handeln zurückzugewinnen

Erst als ich mit meiner Tochter zu einer Osteopathin ging, die mir wärmstens empfohlen wurde, änderte sich alles. Sie war auf Säuglinge mit Anpassungsschwierigkeiten spezialisiert. Anschließend hatte ich das Gefühl, sie war mehr auf die Eltern dieser Babys spezialisiert. Bevor es um meine Tochter ging, ging es ausschließlich um mich. Ja klar, das gehört zur Anamnese. Aber die Fragen gingen noch viel tiefgreifender als die Art und Weise, wie meine Tochter zur Welt kam oder ob es Komplikationen in der Schwangerschaft gab. Sie sah mir sofort meine innerliche Unruhe an, las meine Körpersprache. Es war als ob sie genau wusste, wie ich mich fühlte. Sie sah durch alle meine seit der Geburt angelernten, schlechten Verhaltensmuster hindurch und machte mir klar, dass mein Baby nicht krank ist.

Es folgten mehrere Sitzungen in denen mein Baby NIE schrie. Sie nahm sich meiner Tochter mit einer inneren Ruhe an, die nicht von dieser Welt war. Diese Frau strahlte so viel Zuversicht, Wärme und Ausgeglichenheit aus. Sie hatte eine ganz besondere Aura. Manchmal hielt sie meine Tochter nur fest und sah ihr einfach in die Augen. Sie zeigte und erklärte mir, dass mein kleines Mädchen einfach zu der Gattung Baby gehört, welches extrem sensibel auf die Reize unserer hektischen Welt reagiert. Was für uns zum Alltag geworden ist, führt bei ihr zur völligen Reizüberflutung. Das wiederum führt zum Schreien. Es wird besser, sagte sie. Auch sie wird lernen die Reize besser zu verarbeiten. Bis dahin muss ich an mir selbst arbeiten, lernen wie ich meine innere Ruhe finde. Sie half mir also dabei, wie ich meinem Baby in extremen Stunden des Schreiens begegnen kann und wie das Vertrauen in mich selbst dazu führt, dass mein Baby sich schneller beruhigen kann.

Wir wissen es oft besser, als wir glauben – Mama vs. Suchmaschine

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Ich könnte darüber wohl ein Buch schreiben. Denn diese Zeit war im Nachhinein eine Reise zu mir selbst. Ich habe gelernt wieder an mich selbst zu glauben und meinen mütterlichen Instinkten und Gefühlen zu vertrauen. Seitdem arbeite ich stets daran mich mehr auf meine Kinder einzulassen und darauf zu achten, was sie mir signalisieren. Meine Große ist bis heute ein sehr feinfühliges Mädchen, welches stark auf Stimmungen und menschliches Miteinander reagiert. Ich weiß oft schon, wie sie auf manche Dinge reagieren wird oder wieso sie sich so verhält, wie sie sich eben verhält. Ich hinterfrage aber schon lange nicht mehr alles.

Gegoogelt wird aber immer noch 🙂

Ich möchte Suchmaschinen in ihrer Funktion nicht völlig verurteilen. Ich finde auch heute noch großartige Tipps und Hilfestellungen bezogen auf meinen Mama Alltag oder meine Kinder. Jedoch begebe ich mich nicht mehr auf die Suche nach dem Unbekannten, wenn mein Gefühl mir sagt, dass etwas nicht in Ordnung sei mit meinen Kindern. Dieses Gefühl beschleicht mich heute nämlich nur noch sehr selten.

Ich glaube daran, dass wir Mütter häufig intuitiv genau wissen, was unser Nachwuchs in verschiedensten Situationen braucht. Damit fährt man oft besser, als google orakeln zu lassen, was hinter der plötzlich auftretenden Flitzekacka deines Stinkers steckt. Bei Unsicherheit dann halt doch lieber mal die Hebi oder seinen Kinderarzt fragen. Oder die eigene Mama mit Erfahrung anrufen, soll auch oft helfen.

 

Ein Hoch auf unsere Mutterinstinkte. Hört wieder mehr auf euch selbst! Das world wide web weiß sicher viel, wir kennen unsere Kinder aber noch besser.

 

Damit wünsche ich euch noch ein schönes Restwochenende!

Eure Christina

 

Google, was hat mein Baby? Wie mein Mutterinstinkt durch Suchmaschinen verloren ging

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